Jakob Hein: Herr Jensen steigt aus
Herr Jensen mag nicht mehr. “Wir müssen Ihnen leider im Rahmen unseres neuen Programms zur Verhinderung betriebsbedingter Kündigungen kündigen” verkündet ihm sein Chef in der Postzentrale und eröffnet damit eine Reihe absurder Vorgänge, mit denen ein Arbeitsloser, der nicht mehr als ein zufriedenes Leben wünscht, konfrontiert wird.
Doch was zu einem zufriedenen Leben gehört, definiert man offenbar nicht mehr selbst. Einen Beitrag für DIE Gesellschaft soll man leisten, auf Parties ist man ein Nichts, wenn man keinen Job hat, wer beim Spiel des Kapitalismus nicht mitmachen möchte, ist ein Fall für die Psychiatrie. Angesichts der ihn bedrängenden Forderungen und Erwartungshaltungen zieht Herr Jensen sich immer mehr zurück. Wahnsinnig erscheint dabei nicht er, sondern seine Umgebung, die sich für Menschliches nicht mehr interessiert und wahre Individualisten nicht mehr verstehen und daher nicht akzeptieren kann.