Juli Zeh: Corpus Delicti
Deutschland im Jahr 2057: Krankheiten gibt es nicht mehr, über Krebs kann man sich höchstens im medizinischen Geschichtsbuch informieren, der Staat hilft dem Menschen, seinen Körper zu achten und fit zu halten. Klingt soweit ganz gut, doch kann Leben in einer Gesundheitsdiktatur Spaß machen? Und was passiert, wenn man auf der falschen Seite steht?
Mia Holl muss sich vor einem Schwurgericht verantworten. Der Selbstmord ihres Bruders Moritz, der wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung verhaftet worden war, wirft die einst systemtreue Wissenschaftlerin aus der Bahn. Jetzt will sie beweisen, dass das System einen Fehler gemacht hat und ihr Bruder unschuldig ist – eine Tatsache, die die Gesellschaft, in der alle geistigen Werte verdrängt worden sind, nicht akzeptieren kann.
Mit der ihr eigenen analytischen Schärfe und Weitsicht entwirft Juli Zeh ein Gesellschaftsszenario, dessen Grausamkeit in der Abschaffung des Menschseins bei gleichzeitiger Suggestion von Kuschelpolitik und Wohlwollen besteht. Dabei greift sie Tendenzen der gegenwärtigen Politik auf und enttarnt vorgespielte Menschenfreundlichkeit als reines Machtbestreben, das aber so schön verpackt ist, dass man fast nicht merkt, wie die Grundrechte des Menschen außer Kraft gesetzt werden. So weit entfernt scheint das Jahr 2057 gar nicht mehr zu sein. Eine brillant beschriebene Vision!
(Jetzt auch als Taschenbuch erhältlich)