Susanne Schirdewahn: Schlafende Hunde
“Wir
haben immer geschwiegen. Das Schweigen war stark. (…) Es gab keinen besonderen Grund für die Schweigsamkeit. Vielleicht lag es daran, dass es keiner gelernt hatte zu reden. Worte für Gefühle zu suchen. Ihnen Ausdruck zu verleihen. Wir wussten ja um sie, das reichte. Da wir alle schwiegen, fiel es keinem auf, dass mit einem Mal auch die Fragen verschwanden. Vielleicht waren wir eine ganz normale Familie.”
Vater, Mutter, zwei Töchter. Ein Häuschen in der Münchner Vorstadt. Vater geht arbeiten, Mutter hütet das Zuhause, die Töchter werden erwachsen. Alles ganz normal.
Auf der Beerdigung der Großmutter versammelt sich die ganze Familie. Oder das, was von ihr übrig ist. Wie Schattenwesen bewegen sich die Gestalten durch die Feierlichkeiten. Man isst und trinkt, man redet, aber nicht miteinander. Small Talk vom Feinsten, jahrelang eingeübt von Menschen, die Angst haben, unter die Oberfläche zu schauen. Doch eine der Töchter stellt sich dieser Herausforderung. Die Ich-Erzählerin macht den Versuch, die Vergangenheit zu erfassen. Sie beschreibt die Monotonie des Alltags, in dem Menschen sich eingerichtet haben, es sich gemütlich gemacht haben. Alles ist ganz nett, alles ist ganz normal, aber auch furchtbar langweilig.
Susanne Schirdewahn erzählt vom ganz normalen Leben, in dem sich jeder irgendwo wiederfinden kann. Es geht um Liebe, das Erwachsenwerden, um Einsamkeit und auch um den Versuch, zu erkennen, wer man ist.
Schlafende Hunde ist ein ruhiges, feinsinniges Buch, karg und poetisch, beobachtend und klug. Und ich freue mich jetzt schon sehr darüber, dass Susanne Schirdewahn im Oktober bei “Kreuzberg liest” daraus lesen wird!