Oscar Wilde – Ein Leben in Briefen
2005 h
at Merlin Holland die Briefe seines Großvaters Oscar Wilde zusammengestellt, herausgegeben und damit eine Arbeit getan, für die man ihm nur dankbar sein kann. Denn so eröffnet sich ein ganz neuer und sehr intimer Zugang zu Oscar Wilde. Die Sammlung enthält ein sorgfältig ausgewähltes Drittel der Briefe aus über 30 Lebensjahren des nur 46 Jahre alt gewordenen britischen Künstlers – von der Schulzeit über die Zeit in den USA und im Gefängnis bis hin zu den letzten Jahren.
Wildes Briefe sind nicht minder lesenswert als sein literarisches Werk, tragen sie doch gleichermaßen die Handschrift eines von humanistischer Bildung durchdrungenen Geistes und einer ausgesprochen feinsinnigen Empfindsamkeit. Unglaublich berührend sind die Briefe an und über die Liebe seines Lebens, Lord Alfred Douglas. Wegen seiner Homosexualität war er verhaftet worden, doch seine Liebe kann er trotz aller Gefahren nicht aufgeben.
“Ich sage selbst, dass ich einen fatalen Schritt begangen habe, aber es musste sein. Bosie und ich mussten wieder zusammenkommen; ich habe kein anderes Leben für mich sehen können. Er sah für ich kein anderes. Jetzt wollen wir nur noch in Ruhe gelassen werden. (…) Ich will Frieden – sonst nichts”. Und bei allem keine Spur von “peinliche(n) Momente(n) homosexuellen Schmachtens” – die ein Rezensent in einem peinlichen Moment vollkommener Gefühllosigkeit Oscar Wilde attestieren wollte.
Viele seiner Aphorismen finden sich in den Briefen, klug reflektierend nimmt er sich und sein Umfeld war. Die Briefe aus den Jahren im Gefängnis zeigen nicht nur die Zartheit seiner Seele, auch verschaffen sie dem Leser eine Vorstellung von den gesellschaftlichen Umstände, von dem England, das von sich selbst so viel hält und doch gänzlich versagt, das einen seiner Besten zugrunde richtet.