Alexandra Klobouk: Istanbul, mit scharfe Sosse?
“Wenn
einer eine Reise tut, dann kann er was erleben” – und wenn er, in unserem Fall sie noch dazu bereit ist, seinen Sinnen freien Lauf zu lassen, dann kann daraus etwas richtig tolles werden. Als Alexandra Klobouk zu einem Auslandssemester anstatt nach Barcelona (wohin es die meisten Erasmus-Studenten verschlägt) nach Istanbul aufbrach, hatte sie nicht viel mehr als die zahlreichen, auch von deutschen Medien gern gepflegten Türken-Klischees im Gepäck.
“Mein türkischer Gemüsehändler war zufälliger Weise ein ziemlich unsympathischer, unfreundlicher Typ (…) In der U-Bahn begegnete ich von Zeit zu Zeit halbstarken türkischen Jungs. (…) Urlaub in der Türkei war in meiner Vorstellung Pauschaltourismus in Hotelburgen an Betonstränden. Sonntags im Tatort wurde mit schöner Regelmäßigkeit ein Fall über mangelnde Integration und Zwangsheirat behandelt und im Spiegel las ich über Ehrenmorde an jungen Frauen, die ihre Unabhängigkeit gesucht hatten.”
In Istanbul angekommen brachte Alexandra Klobouk es jedoch in kürzester Zeit fertig, sich von diesen Bildern zu befreien und einfach mal mitzumachen: bei dem Leben der “Anderen”.
Was daraus geworden ist? Ein wunderbares Büchlein voll liebevoller, lebenslustiger und herzlicher Illustrationen von einer, die auszog, Türkisch zu lernen. Ein Buch “für alle, die auch keine Ahnung haben”, für alle, denen Migranten-Debatten und Sarazzinismen aus den Ohren raushängen, für alle, die der Leitkultur die Scheuklappen runterreißen möchten.
Bei der Book Release Party in Berlin war es eine helle Freude, Alexandras Erlebnisbericht zu lauschen. Sie erzählt von Wegfindungsschwierigkeiten in dieser Stadt mit knapp 17 Mio. Einwohnern, von kuriosen Fahrten im Sammeltaxi, von modernen Mädchen und den Geheimnissen der türkischen Frauen und davon, dass man ohne Kommunikation, ohne ein Miteinander in Istanbul keine Chance hat.
Ich könnte jetzt darüber sinnieren, ob die türkische Gesellschaft vielleicht menschenfreundlicher, warmherziger und sinnlicher ist als die deutsche. Sattdessen könnte ich mir aber auch einfach nochmal Alexandras Buch anschauen und mich selbst auf Reisen begeben…
P.S.: Danke an Onkel und Onkel, die dieses Buch möglich gemacht haben!