Wir bringen Vielzitiertes und Unbekanntes, Modernes und Klassisches, Dramatisches und Kurioses zu Gehör.
Nächste Lesung (Am Montag, den 21. Mai 2012 um 20.30 Uhr)

Just Porn?

Im Sputnik Kino am Südstern (Berlin-Kreuzberg)

Kreuzberg liest

Matt Beynon Rees: Die Fälle von Omar Jussuf

Wochenende. Es ist kalt. Die Wolkendecke hängt tief. Die Motivation, sich zu kulturellen Unternehmungen aufzuraffen ist auf dem Nullpunkt angelangt. Und doch spürt man das Verlangen, etwas neues kennenzulernen, eine Reise ins Unbekannte zu machen, den eigenen Horizont zu erweitern.

Für solche Situationen kann ich nur empfehlen, einen Kriminalroman von Matt Beynon Rees im Haus zu haben. 2006 hat der Brite, der bis vor kurzem der Jerusalemer Bürochef für das Time Magazine war, mit dem palästinensischen Ermittler Omar Jussuf eine Figur  ins Leben gerufen, die einen authentischen und spannenden Einblick in den Alltag Palästinas ermöglicht.

Omar Jussuf arbeitet als Geschichtslehrer in einem Flüchtlingscamp in Bethlehem und stellt sich täglich der Aufgabe, nicht nur seine jungen Schützlinge sondern auch seine Mitmenschen zu Toleranz, Menschlichkeit und Stärke aufzufordern. Als einer seiner früheren Schüler beschuldigt wird, ein Attentat auf einen führenden palästinensischen Widerstandskämpfer verübt zu haben, ist er der einzige, den die Wahrheit interessiert. Sein bedingungsloses Einfordern von Gerechtigkeit und Wahrheit macht ihn zum Kämpfer gegen die Gewalt und den Hass auf Palästinas Straßen und führt ihn zu seinem ersten Fall.

Die Geschichten von Matt Beynon Rees stellen die Probleme Palästinas mit sich selbst in den Mittelpunkt. Es geht hier weniger um den ewigen Konflikt mit Israel als vielmehr um die Steine, die sich die Palästinenser selbst in den Weg legen: unterschiedlichste Machtinteressen, unkontrollierbare gewaltbereite Gruppierungen, Korruption, Bildungsarmut und fleischgewordenes Misstrauen.

In diesen Romanen bekommt man aus erster Hand einen hervorragend recherchierten und spannend aufbereiteten Zugang zu den Problemen einer politisch instabilen Region und zu Menschen, die bei aller Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit so etwas wie “Leben” versuchen. Die ersten beiden Fälle “Der Verräter von Bethlehem” und “Ein Grab in Gaza” (eine Beurteilung des dritten Falls wird in Kürze nachgereicht) sind von der ersten bis zur letzten Seite hervorragend und derart fesselnd geschrieben, dass an ein Beiseitelegen nach Beginn der Lektüre nicht mehr zu denken ist.

Lesen!

Bisher gibt es keine Kommentare.
  • Katharina und Ulrich im Interview bei Motor FM. Alle Rechte: Motor FM

  • Newsletter abonnieren

    Keine Lesung verpassen! Im Newsletter informieren wir euch einmal pro Monat über neue Termine. Schickt einfach eine E-Mail an thiel [at] salon-kreuzberg.de
  • Lesung: Gelebter Wahnsinn

  • Lesungen to go

    Ihr gebt eine Party und hättet gern eine besondere Überraschung für eure Gäste? Ihr möchtet euer Firmen-Event unvergesslich werden lassen? Oder möchtet ihr euren Schülern die literarischen Stoffe im Lehrplan kreativ vermitteln? Dann fragt uns. Wir stellen euch individuelle Programme zusammen und lesen für euch - in Schulen, auf Booten, zuhause, im Park

© Kreuzberg liest - Leitung und Programm: Katharina Thiel | Berlin 2008 -2011