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Nächste Lesung (Am Montag, den 21. Mai 2012 um 20.30 Uhr)

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Abbas Khider: Die Orangen des Präsidenten

Die Orangen des PräsidentenDass er traurigen und schlimmen Geschichten einen wundersamen Zauber verleihen kann, das hat der aus dem Irak stammende Schriftsteller Abbas Khider in seinem ersten Roman “Der falsche Inder” hinlänglich unter Beweis gestellt. Auch in seinem neuen Roman schafft er das Außergewöhnliche:

Als der 17-jährige Mahdi sich nach seiner letzten Abiturprüfung daran macht, gemeinsam mit seinem Freund Ali dieses denkwürdige Ereignis zu feiern, werden die beiden Jungen von der irakischen Polizei verhaftet.

Mahdi weiß nicht, wie ihm geschieht, in grausamen Verhören will man ihm Informationen über seine “Organisation” entlocken. Das einzige jedoch, dessen Mahdi sich schuldig zu bekennen vermag, ist die Taubenzüchterei – ein Hobby, das er seit Jahren leidenschaftlich pflegt. Allerdings wird dieses Hobby ebenso auf ihn warten müssen wie alles andere, was der junge Mann sich für die Zeit nach der Schule erträumt hat. Mahdi landet in einem der unterirdirschen Gefängnisse Saddam Husseins, haust dort unter menschenunwürdigen Bedingungen und ist täglich auf’s Neue den Schikanen der Wärter ausgesetzt. Ein Kampf gegen die Angst, den Hunger, die Verzweiflung und nicht zuletzt gegen die Hoffnung beginnt.

Zerstörerische Hoffnung

Denn wer an diesem Ort der Vernichtung, der Entmenschlichung zu hoffen wagt, hat den Kampf um das Überleben schon fast verloren. “Es gab in Gefangenschaft nichts Schlimmeres als Hoffnung, da sie die Gleichgültigkeit, die man sich wie einen Panzer übergestülpt hatte, zunichte machte und alles Leid, alle Misshandlungen einen wieder schmerzten. Enttäuschte Hoffnung – sie wäre der Todesstoß für jeden von uns gewesen, viel schlimmer als die Nachricht, dass wir den Rest unseres vermutlich kurzen Lebens weiter hier verbringen müssten; denn davon gingen wir ohnehin aus.”

Als der Geburtstag Saddam Husseins naht, keimt sie jedoch wieder auf, die Hoffnung. Denn die Gefangenen wissen, dass ihnen als Zeichen der Milde des Führers möglicherweise Amnestie gewährt wird. Das tatsächliche Geschenk Saddams hätte jedoch kaum zynischer und grausamer ausfallen können: Am Ehrentag des Präsidenten erhält jeder Gefangene eine Orange.

Abbas Khider erzählt die Geschichte eines Systems, das keine Menschlichkeit mehr kennt und verknüpft dabei die Schilderungen der Gewalt des Staates, die er selbst als junger Mann erleben musste, mit Geschichten aus Mahdis Familie und von dem Leben eines Jungen, der von Freiheit träumt, der neugierig ist auf das Leben und die Liebe, der seine Familie und seine Kultur liebt, mit dem Führer seines Landes herzlich wenig am Hut hat und diesem doch schonunglos ausgeliefert ist.

Dieser Roman zeigt auf wunderbare Weise, warum Menschen Bücher lesen sollten und was Kunst zu leisten imstande ist. Denn was hier für den geneigten Leser erfahrbar wird, ist die unverwüstliche Lust am Leben und der Zauber des Menschseins.

 

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