Martin Suter: Allmen und der rosa Diamant
Nicht lang ist es her, genau genommen ein halbes Jahr, seitdem Martin Suter den ersten Kriminalroman mit einem neuen Helden, dem Detektiv Johann von Allmen veröffentlicht hat. Nun ist “Allmen und der rosa Diamant” erschienen.
Auch zu Beginn des zweiten Falls wird der verarmte Dandy Johann van Allmen von Geldsorgen geplagt. Doch dann empfängt er in einem geliehenen, aber sehr edlen und seinem Niveau entsprechenden Büro einen neuen potentiellen Kunden. Als dieser ihn beauftragt, einen wertvollen, rosa Diamanten aufzuspüren, der nach einer Versteigerung bei Murphy’s verschwundenen ist, wittert Allmen den dringend benötigten Geldsegen. Die Eröffnunsszene der Geschichte baut so viel Spannung auf, dass man das Buch keineswegs zur Seite legen mag. Allmen amüsiert mit seinen Beobachtungen und Einschätzungen, die wiederum die Eigenarten eines Mannes spiegeln, der versucht, trotz mangelnder finanzieller Mittel ein Upper-Class-Leben aufrecht zu erhalten.
Der Plot beginnt stark, Allmen und sein Butler Carlos sind dem Leser ebenso sympathisch wie bereits im ersten Fall, doch viel mehr kommt leider nicht. Schon nach kurzer Zeit verliert die zunächst vielversprechende Story den roten Faden, als habe der Autor nicht so recht weiter gewusst. Aus der Geschichte eines Diamanten wird dann eine Geschichte über das internationale Bankenwesen. Zwar merkt man deutlich, dass Martin Suter auch ein routinierter Drehbuchautor ist, der literarischen Qualität kommt das in diesem Falle jedoch nicht zugute. Als der Fall gegen Ende der 219 Seiten aufgelöst wird, befindet sich der Leser in solch gelangweiltem Zustand, dass er des Rätsels Lösung beinahe überliest.
Die Schludrigkeit bei der Konstruktion des Plots findet sich auch in der sprachlichen Gestaltung wieder. Die Dialoge werden zu Phrasen, die Figurenentwicklung stagniert. Suter gehört zwar nicht zu den größten Sprachkünstlern und Poeten der Gegenwart, doch wie man Geschichten schreibt, weiß der schweizerische Autor eigentlich. “Allmen und der rosa Diamant” kann man jedoch unbeachtet im Bestseller-Regal der Buchhandlungen (dort findet man das Buch nämlich zur Zeit auf Platz 11) stehen lassen. Denn der Inhalt des Büchleins ist leider ebenso flach wie das Buch schmal.