Niels Boeing: Alles auf null
Etwas in dieser Welt läuft falsch. Bei manchen ist es noch ein unbestimmtes Gefühl, bei anderen schleicht sich bereits eine ausgewachsene Depression heran. “Die Uhr tickt. Oder ist es eine Bombe in der Gegenwart? Draußen verändert sich etwas und es fühlt sich nicht gut an.” Zuverlässige Droge für alle: KONSUM. Bis zum Zusammenbruch, Burn-Out. Bitte verlassen Sie unsere Gesellschaft, Sie stören unsere Produktivität.
Die Sehnsucht nachalternativen Lebensentwürfen wird zunehmend größer, die Suche nach Handlungsspielräumen jenseits von Politik hat längst begonnen.
“Alles auf null” fordert nun Niels Boeing in seiner “Gebrauchsanweisung für die Wirklichkeit” und trifft damit nicht nur den Nerv einer Zeit, in der weltweite Protest-Bewegungen wie Occupy immer mehr Menschen anziehen.
Opposition ist nicht genug
In 99 Kurztexten, die jeweis nur eine Seite lang sind, findet der Hamburger Journalist Boeing zu Gedanken, die das Gefühl von Unmut überraschend präzise in Sprache übersetzen und dem Leser mehr als einmal zustimmende Aufschreie entlocken. Jeder Kurztext findet seinen Höhepunkt in einem zugespitzten Satz. So ergeben sich 99 Behauptungen, die für sich genommen schon kleine Kunstwerke sind:
Wir leben in einer Kapitalmonarchie. Für Arroganz gibt es keine Entschuldigung. Geld stinkt doch.
Dabei geht es Boeing nicht um eine Analyse des Kapitalismus oder eine Anleitung zum Glücklichsein. “Alles auf null” ist ein wahnsinnig starker Text, der die Realität einer durchkapitalisierten Gesellschaft vor Augen führt, der alles Menschliche längst abhanden gekommen ist. Nach der Lektüre ist man auf jeden Fall einen wichtigen Schritt weiter: Denken ist gut, aber das allein reicht nicht aus: “Wir sind die Vielen, und wir können den Beat anschlagen, der alle Macht pulverisieren wird. Wir, die Multitude. Wir werden uns erkennen, wenn wir es endlich zulassen, wenn wir unser lauwarmes Leben hinter uns lassen und es denen gleichtun, die brannten und niemals froren. Let’s burn!
LESEN!
Und hier gibt es noch einen kleinen Vorgeschmack auf das Buch: